AD ASTRA FILMKRITIK

 

 

 

 

Ad Astra, zu den Sternen. Ein hoffnungsvoller Titel hinter dem sich aber keinerlei Hoffnung für unterhaltungsgierige SciFi Fans verbirgt. Ad Astra ist ein anstrengender, deprimierender Ritt durch eine Welt, die vielleicht an Stanley Kubrik erinnert aber ganz bestimmt nicht an Goerge Lucas und Konsortien.

Der 2:05 Stunden lange Streifen ist zwar mit Brad Pitt mit einer der Hollywood Mainstream Ikonen überhaupt besetzt und läuft ganz normal in allen Mainstream Kinos, ist aber ganz und gar nicht auf berieselnde Unterhaltung für die Popcorn fressenden Massen ausgelegt. Nicht falsch verstehen, der Film ist für die Massen. Aber nicht um sie zu unterhalten, sondern um sie aufzuwecken. Und aufwachen kann - wie wir alle wissen - manchmal ganz schön anstrengend sein. Besonders wenn wir voll gefressen und faul im warmen Bett liegen. Das war eine Metapher. 

 

Ad Astra ist eine Metapher. Eine, die zeitgemässer nicht sein könnte in Zeiten von Fridays for Future, Amazonas Bränden, Artensterben, Desertifikation und schmelzenden Polarkappen. Der Film katapultiert uns in eine Nahe Zukunft die natürlich noch technologisierter ist als die heutige. Aber das nächste “Big Thing” scheint es nicht gegeben zu haben. Vielmehr ist der Stand der Technik einfach nur weiter und größer ausgebaut worden. Eine Metapher an unsere sich im Kreis drehende Denkweise? Vielleicht. 

Die größte Metapaher liegt jedenfalls in dem Haupterzählstrang. Klaustrophobisch nah sind wir an Brad Pitts Character Roy McBride einem von Leistungsdruck getriebenem Vorzeigeaustronaut. Ein Mann der die Bürde seines legendären Vaters trägt, und an den Rande des Wahnsinns getrieben wird bei dem Versuch ihm gleich zu ziehen und gleichzeitig seine Fehler wieder gut zu machen. Dabei lässt er seine geistige Verfassung immer wieder mittels einem psychologischen Tests von seinen Vorgesetzten aus der Ferne diagnostizieren. Bis der Vorzeigeastronaut dann letztlich durch den Test rasselt, sobald er nicht mehr im tollerierbaren Bereich der Obrigkeit denkt und handelt.  Wie gesagt, der Film kommt gerade richtig zum aktuellen Zeitgeist, in dem der Klimawandel von Konservativen Politiker und Lobbyisten gerne als hysterisches Wahnverhalten abgestempelt wird. 

 

Im Film sind wir in Brad Pitts Kopf, hören seine Gedanken und sehen auch die ganze trist technologisierte Welt nur in aus seinem begrenzten Sichtfeld. Wir bewegen uns ständig im Raumanzug, in engen Fahrzeugen, Raumstationen, Raketen. Alles fühlt sich beengend, veraltet und am Rande des Wahnsinns an. Wir sind eben durch und durch eingesperrt in einem - geistigen und physischen - Raum, geschaffen vom Menschen. 

 

Am Ende landen wir dort, worum sich Brad Pitts Gedanken den ganzen Film drehen: bei seiner Vergangenheit die so typisch menschlich eng verwoben mit seiner Zukunft ist, das einem schlecht werden kann. Pitt fliegt ganz allein zum Staturn; Milliarden Meilen entfernt von der Erde. Dort wartet sein Vater, sein Held, der jedoch mitverantwortlich für das drohende Ende der Erde ist. Brad Pitt, der im Laufe des Films ständig seine Gefühle reflektiert, reagiert sanftmütig auf seinen Vater, der sich immer unheldenhafter zeigt. Statt ihm Vorwürfe zu machen gesteht er ihm seine Liebe, versucht seinen Vater zu retten. Doch sein Vater redet nur weiter von dem Wahn der ihn - und nun seinen Sohn - so weit an den Rand des Sonnensystems getrieben hat. Bei Pitts Rettungsversuch versucht der Vater sich umzubringen und zieht seinen Sohn wohl wissentlich beinah mit in den Tod. Es scheint ihm egal zu sein. Es geht nur um ihn und seine großartige Vision/seinen Wahn. 

Doch Pitt kann sich retten und reist schließlich alleine die Milliarden Meilen durch das schwarze Nichts  wieder zurück zu Erde. Zurück zu der kleinen, blauen und so zerbrechlichen Kugel, die nun jeder von den Zuschauern im Saal, der sich auf das widrige Filmabenteuer einlassen konnte neu zu schätzen gelernt hat. Steht dieser so lebendige, von Vögeln,  Bäumen und ganz normalen Menschen besiedelte Planet auf dem der Wind oft sanft durch offene Grassteppen weht doch extrem stark im Kontrast zum lebensfeindlichen, unendlichen Kosmos drumherum. 

 

Pitt schein geläutert zurückgekehrt zu sein. Weiss vieles nun zu schätzen. Doch seine vermentliche Katarsis schildert er am Ende durch einen weiteren psychologischen Test. Also doch weiter wie bisher? #selbstverarsche?

 

Wie ein weiser Freund einst sagte: “Ein Mann ist nicht immer ein Vater. Aber ein Mann ist immer ein Sohn.” Damit ist wohl gemeint dass wir uns immer mit uns selbst beschäftigen, aber selten mit dem, was wir verursachen. Denn das ist eben nicht so nah an unserer Realität. Und unsere Realität ist eben nur das was sich in unserem von uns selbst geschaffenen Raum abspielt - wie der ganze Film - in unserem Kopf.

 

Macht der Film nun Hoffnung oder deprimiert er? Mir macht er Hoffnung. Denn er zeigt eine realistische aber optimistische Sicht auf die Dinge. Er ist wie zu Anfang gesagt nicht der typische Popcorn-Streifen. Und so endet er auch nicht Friede, Freude Eierkuchen. Er endet aber auch nicht dramatisch. Er endet realistisch. Pitt hat sich gebessert. Er ist am Ende  nicht soweit um glücklich in den Sonnenuntergang zu reiten, aber er ist ein Stück näher dran. Und das alleine fühlt sich schon gut an. Genauso wie wir mit einer guten Klimapolitik nicht in den Sonnenuntergang reiten würden, sondern nur ein Stück näher dran sein würden, an einer lebenswerten Zukunft. Und ist eine realistische Sichtweise nicht viel erleichternder und lohnenswerter als eine Utopie, die beim besten Willen und egal wie schön sie ausgeschmückt ist, immer einen dunklen Schatten über unser Unterbewusstsein schiebt. Denn unser Unterbewusstsein lässt sich nicht blenden. Und das haben die Macher von Ad Astra berücksichtigt.

ME

“Ein Mann ist nicht immer ein Vater.

Aber ein Mann ist immer ein Sohn.”

© 2020 by Moritz Erich